Abschreib-Elite
15. August 2008 · Von ulp · Rubrik: Gesellschaft, WissenAbschreiben und Plagiieren ist ja nun wirklich keine Seltenheit. Meistens glauben dabei jene, die sich dazu hinreissen lassen, es merke eh keiner.
Viele Fragen
Ein ärgerliches Erlebnis, wenn dieser Dozent schreibt:
[...] Wenn man nun aber schon meint, abschreiben zu müssen, dann doch bitte nicht bei dem Dozenten, der die Arbeit später bewerten muss! Soviel Quellenarbeit muss ich schon verlangen – denn wenigstens bei wem man abschreibt, sollte man wirklich wissen. [...]
Aber was wäre, wenn dieser Student bei einem anderen Dozenten abgeschrieben hätte? So nebenbei: Aus unserer Studentenzeit kennen wir sogar einen Fall, bei dem ein Student – ein Semster tiefer – seine Semsterarbeit schreiben liess. Und dieser “Stellvertreter” hat von uns abgeschrieben. Es ist ärgerlich, zumals solche Abschreibtypen später in der Praxis als “Eliten” auftauchen[1].
Der Autor stellt viele Fragen, warum plagiiert werde, und findet keine Antwort. Ganz so rätselhaft scheint uns das nicht. Dahinter steckt unseres Erachtens die Ideenlosigkeit oder das Unwissen, eine Unfähigkeit oder der Unwille, Eigenes zu erarbeiten. Der schnelle Erfolg ohne Arbeit, der Weg nach oben auf Kosten der Anderen kann auch ein Motiv sein. Kommentare wie
[...] Vielleicht hat der Spiegel doch recht, dass das internet zur Verdummung beiträgt und wir zu einer copy and paste Gesellschaft werden.[...]
sind da wenig hilfreich.

Kommentar überflüssig (© ulp)
In der Praxis längst angekommen
Was an Hochschulen vorkommt, ist in der Wirtschaft längst Praxis. Auch eine ärgerliche Angelegenheit, aber diese füllt dann wenigstens die Taschen der Juristen, falls es zum Streit kommt. Je länger je mehr überkommt uns das Gefühl, wir haben es in vielen Bereichen mit einer zunehmenden Ideenlosigkeit zu tun, die zu einer nichtklassischen Dimension des Abschreibens und Plagiierens führt.
Zum Beispiel die Medien: Da kriechen plötzlich Wörter oder Phrasen ans Tageslicht, die dann umgehend bei allen Q-Journalisten wochen- oder monatelang “in” sind. Noch schlimmer der politische Bereich, in dem das politische Gerede mehr oder weniger austauschbar ist. Bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel haben wir permanent das Gefühl, egal was sie gerade sagt, dass sie sich selber kopiert. Oder nehmen wir die Sonntags- und sonstige Umfragemanie, an der zwar die Umfrageinstitute viel verdienen, aber unter der Sonne mehr oder weniger ohne neue Erkenntnis alle gleich sind.
Selbst wenn wir die Historie durchstreifen, finden wir unzählige Ereignisse, die abgekupfert erscheinen. Dieses Jahr könnte anders werden: “Jeden Tag ein innovative Idee” verkündete die deutsche Bundesregierung, um auf “365 Orte der Ideen” im Jahre 2008 aufmerksam zu machen. Der 366. Ort im Schaltjahr 2008 fehlt, von dem die Idee des Jahrhunderts ausgehen könnte.
Fussnoten: