Die CO2-Kanzlerin

9. Juli 2008 · Von · Rubrik: Politik, Umwelt

Angela Merkel, die deutsche Bundeskanzlerin, bleibt ihrem merkwürdigen Positivismus treu und baut auf eigene Interpretationen. Insofern wiederholt die Kanzlerin ihre Merkwürdigleit bezüglich G8-Konferenz und CO2.

Steigerungsfähige Merkel

Vor gut einem Jahr interpretierte Bundeskanzlerin Angela Merkel das G8-Resultat, den CO2-Ausstoss zu halbieren, als “Riesenerfolg”. In der G8-Schlusserklärung hiess es dann lediglich, man wolle die Ziele “ernsthaft in Betracht ziehen”, wie der Bürger-Herold” damals berichtete. Unterm Strich hiess das nichts. Offensichtlich ist die Kanzlerin steigerungsfähig, denn

[...] Mit ihrer neuen Einigung gehen die acht Staats- und Regierungschefs über die im vergangenen Jahr getroffenen Vereinbarungen von Heiligendamm hinaus. [...],

so Angela Merkel auf ihrer Positivismus-Website. Auch der “Spiegel”-Bericht über das neue G8-Resultat, d. h. den CO2-Ausstoss bis 2050 mindestens zu halbieren, befindet ähnlich:

[...] Auch die Erklärung ist härter als noch vor einem Jahr, als eine “Halbierung” der CO2-Emissionen bis 2050 “ernsthaft in Betracht” gezogen wurde. Dieses Jahr ist von einer Reduzierung um “mindestens 50 Prozent” die Rede wobei allerdings kein Bezugsjahr genannt wird. [...]

Ohne Hand und Fuss

Weder das, was der “Spiegel” schreibt, noch die Merkel-Aussage haben Hand und Fuss. Erstens ist aus dem einstigen “ernsthaft in Betracht ziehen” (Version 2007) eine “Vision” geworden (Version 2008). Aus der diesjährigen Erklärung:

[...] We seek to share with all Parties to the UNFCCC the vision of, and together with them to consider and adopt in the UNFCCC negotiations, the goal of achieving at least 50% reduction of global emissions by 2050, [...]

Man wolle also danach suchen, mit den Beteiligten die Vison zu teilen …. und …. das Ziel von mindestens 50% Reduktion der globalen Emissionen bis 2050 erreichen.

Fortschritt nicht in Sicht

Einen Fortschritt zwischen “Vision” und “in Betracht ziehen” sehen wir nicht. “Vision” ist eher noch schwammiger. Zwar sind in beidem konkretere Vorstellungen vorhanden, aber über eine garantierte  Handlungsweise sagt dies nichts aus. Wenn der “Spiegel”-Schreiber meint, die Erklärung sei härter (zweites Zitat), so täuscht er sich, denn in der 2007er-Erklärung hiess es bereits vor einem Jahr:

[...] In setting a global goal for emissions reductions in the process we have agreed today involving all major emitters, we will consider seriously the decisions made by the European Union, Canada and Japan which include at least a halving of global emissions by 2050. [...]

Die letztjährige und die diesjährige Erklärung enthalten beide “at least” (mindestens), von uns in den Zitaten kursiv gesetzt. An sich wäre “mindestens” noch etwas Positives, was darauf hinweist, dass mehr als 50 Prozent denkbar sind. Aber wir fragen uns, was die Erklärung soll, denn mit unserem naturwissenschaftlichen Background müssen wir sofort die Frage nach dem Bezugspunkt (oder Bezugsjahr) stellen. Darüber ist nichts zu erfahren. Zudem ist “bis zum Jahre 2050″ mindestens eine neue Generation in der Pflicht – also ein sehr langer Zeitraum, in dem sich viel verändern wird. 2050 wird der “Bürger-Herold” – nur eine Vision – die alte Dame Angela Merkel dann an ihrem 96. Geburtstag fragen, ob sie noch daran arbeite.

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