Causa Wulff vs. Merkel

15. Mai 2008 · Von · Rubrik: Politik

Christian Wulff möchte Kanzler werden, was er nicht offen sagt, aber er will gleichzeitig im Wahlkampf auf Angela Merkel setzen. Toll!

Zum Piepen

“Natürlich ist das lächerlich”, schreibt Duckhome, weil sich der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) anbiedert, sich mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Arbeit zu teilen. “Duckhome” weiter:

[...] Es ist zum Piepen. Wulff will Kanzler werden. Das muss man sich vorstellen. [...]

k-theater.jpgKanzlerin-Führung: Christian Wulff (CDU) bringt sich in Position oder ohne Merkel läuft nichts (© ulp)

Der “Bürger-Herold” kann sich fast Alles gut vorstellen, Wulff als Strassenreiniger ebenso wie als Vorsitzender eines “Vereins Gescheiterter Kanzler (VGK)”. Oder eben als geteilter Kanzler. Wulff als Teilmenge. Das wird bestimmt ein lustiger Wahlkampf, wenn sich Teilmengenkanzler oder -kanzlerinnen bei ihren Bürgern anbiedern.

Allerdings kann man aus dem Welt-Interview mit Christian Wulff eine Menge herauslesen, was die zukünftige Kanzlerschaft anbelangt: z.B. dass die christdemokratische Geschlossenheit im Eimer ist bzw. immer im Eimer war. Oder dass Wulff seine Kanzlerkandidatur, verpackt als Arbeitsteilung, anmeldet.

Phänomenal

Und was sollen Bürger von Wulfss Verklausulierungen halten? Angela Merkel sei eine “vorzügliche Bundeskanzlerin”, so Wulff im Interview. Na Bravo:

[...] Sie hat die Fähigkeit, das Wissen und die Art, schwierigste Themen in einer wirklich unübersichtlichen Welt international zusammenzuführen. Das hat sie beim G-8-Gipfel gezeigt und in der EU. Das ist eine phänomenale Leistung. [...]

Nun ja, das Phänomenale besteht darin, dass, wenn man die Resultate genauer untersucht, nicht viel erreicht worden ist. Hauptsache, Wulff platziert bei der Kanzlerin ein paar Streicheleinheiten bevor er in derselben Antwort zum “Aber” ausholt:

[...] Innenpolitisch aber sind die Themen Arbeitsmarktreform, Rentenreform, Gesundheitsreform, Föderalismusreform und andere nicht von einem Menschen allein zu besetzen. [...]

Das bezweifelt doch niemand. Merkel kann das nicht, Wulff nicht, niemand kann das. Was soll denn das?

Arbeitsteilung?

Kein Wunder, dass Wulff auf die nachfolgende Interview-Frage, wie diese Arbeitsteilung aussehe, keine konkrete Antwort hat:

[...] Deshalb ist es sinnvoll, klar auf Angela Merkel auch im Wahlkampf zu setzen. Aber ebenso sinnvoll ist es, ihr die Chance zu geben, zu vermitteln, zwischen Exponenten der Union, die das Unionsprofil vertreten, und Exponenten der SPD, mit denen sie am Kabinettstisch sitzt. [...]

Aha, Arbeitsteilung “by Chancen geben”.

[...] Ich finde, dass man ihr das Leben auch erleichtern kann, wenn man Positionen bezieht, die sie als Moderatorin in der großen Koalition so nicht beziehen kann. [...]

Nochmals ein Aha, Arbeitsteilung “by Positionen beziehen”. Was will denn Christian Wulff? Erstens hat die Kanzlerin doch alle Chancen, zwischen allen Exponenten zu vermitteln. Sie muss sie nur wahrnehmen. Zweitens, was die Positionen anbelangt, so besteht doch die deutsche Regierungspolitik daraus, indem Regierungsbeteiligte und -unbeteiligte mehr als Positonen beziehen und daraus eine Parteien- statt Bundespolitik basteln.

Brutto – Netto

Nachdem Christian Wulff kein Konzept zur Arbeitsteilung vorweist, ist seine Botschaft eine andere. Die ersten beiden Zitate im Zusammenhang in derselben Antwort sagen versteckt aus, dass die Bundeskanzlerin zumindest innenpolitisch eine Versagerin, damit auch keine “vorzügliche Bundeskanzlerin” ist. Natürlich wird er das nicht sagen, obwohl es viele Politiker und Bürger wissen. Darum sein Umweg über eine nichtssagende Arbeitsteilung.

Nur: Christian Wulff hat ein Problem, das er verkaufen will. Er möchte Kanzler werden, was er nicht offen sagt, aber er will gleichzeitig im Wahlkampf auf Angela Merkel setzen. Das ist die politische Kunst des “sowohl-als auch”! Vielleicht hat Wulff so eine Art Brutto-Wahlkanzlerin im Kopf, von der nach Abzug Wulff als Netto-Kanzler übrig bleibt.

Tags: , ,

Keine Kommentare möglich.