Nur für einen Tag?

3. Mai 2008 · Von ulp · Rubrik: Medien

Eigentlich müsste dieser Tag an jedem Tag stattfinden, weil die Pressefreiheit im Prinzip an jedem Tag in Gefahr ist.

Unerwünschte Freiheit

Wenn heute der “Internationale Tag der Pressefreiheit” ist, so hat er seine Berechtigung, denn in vielen Ländern dieser Welt ist eine ehrliche Presseberichterstattung nicht erwünscht bzw. unmöglich. Die Konsequenz daraus: Medienverbote, Reporter und Journalisten werden bedrängt, bedroht und eingesperrt. Und nicht wenige Journalisten bezahlen ihre Arbeit mit dem Tod.

Manchmal fragen wir uns, warum es nur ein einziger Tag der Pressefreiheit ist. Eigentlich müsste dieser Tag an jedem Tag stattfinden, weil die Pressefreiheit im Prinzip an jedem Tag in Gefahr ist. Doch Achtung: Die Pressefreiheit ist nicht nur durch die bekannten drastischen Fälle bedroht, wie man bei Reporter ohne Grenzen nachlesen kann.

Subtile Bedrohungen

Die Pressefreiheit ist auch in Ländern bedroht, die sich als freiheitlich, demokratisch und offen bezeichnen. Die Risiken lauern überall. Manchmal erfolgt die Bedrohung sehr subtil, wie Einflussnahme, Manipulation, Druck durch Inserate- oder Informationsentzug, Irreführung oder durch Käuflichkeit, durch direkte oder indirekte Repressalien, Embedded Journalism. Zu Bedrohung gehören auch jene Fälle, über die man nie oder selten etwas erfährt: Es sind Berichte, die auf interne oder externe Weisungen hin nie an die Öffentlichkeit gelangen.

Von Pressefreiheit sprechen wir nur, weil es sich ums Pressewesen handelt, weil die Presse eine bestimmte, begründbare Sonderstellung einnimmt. Doch mit dieser Pressefreiheit ist noch etwas Anderes verbunden: Es geht um Meinungsfreiheit, bedroht von Hütern eigener Interessen. Ohne Meinungsfreiheit funktioniert keine Pressefreiheit. Insofern ist dieser “Tag der Pressefreiheit” auch ein “Tag der Meinungsfreiheit”. Oder noch besser: Jeder Tag muss ein Tag der Freiheit sein.

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