Eine neue Ära?
19. März 2008 · Von ulp · Rubrik: Politik, WeltkonflikteTom Segev vom “Haaretz” rätselt über Merkels “uneingeschränkte Unterstützung” für Israel.
Gemischte Gefühle
Dass Merkels Israel-Besuch in Israel auch gemischte Gefühle auslöst, ist aus Gründen der deutschen Vergangenheit mehr als verständlich. Der “Bürger-Herold” hat eben einen Kommentar von Tom Segev in der Online-Ausgabe der israelischen Tageszeitung Haaretz gelesen. Viel Positives ist zu lesen. Allerdings rätselt Segev auch über Merkels “uneingeschränkte Unterstützung” für Israel, ob diese etwas mit ihrer Biographie zu tun habe.
Tom Segev geht in seinem Beitrag auch auf wunde Punkte ein:
[...] She rightfully described the Qassam rocket fire on Sderot as a crime, but did not say a word about repeated human rights abuses in the West Bank, the bombing of residential areas in Gaza or the settlements [...] Had she been more balanced, Merkel might have made life in Israel and the occupied territories less intolerable. [...] ,
frei übersetzt: Merkel habe berechtigterweise die Quassam-Raketen auf Siderot als kriminelle Tat bezeichnet, aber mit keinem Wort habe sie erwähnt, dass in der Westbank wiederholt die Menschenrechte verletzt wurden oder dass in bewohnten Gebieten in Gaza oder Siedlungen Bomben fielen. Wäre Merkel balancierter gewesen, so Tom Segev, so könnte sie sich dafür aussprechen, damit einiges im Leben Israels und den besetzten Gebieten weniger inakzeptabel würde.
Ein weiter Weg
Tom Segev drückt sich sehr höflich aus, aber man kann daraus entnehmen, dass Merkels Bekenntnisse die eine Sache ist und der unsichere und gefährliche Alltag in der gesamten Nahostregion eine andere. Segev hat nicht unrecht, wenn er schreibt, Merkels Haltung repräsentiere nicht den öffentlichen Diskurs in Deutschland und in Israel.
Politisch gesehen mag Merkel Reise eine neue Ära zwischen Deutschland und Israel einläuten. Das haben Bekenntnisse mal so an sich. Aber eine wirklich neue Ära hat mit Deutschland nur indirekt zu tun, denn das wäre der Friede nach 60 Jahren Leid auf allen Seiten in der Nahostregion. Ein weiter Weg.