Morgenstund hat …
29. Februar 2008 · Von ulp · Rubrik: Wirtschaft… Gold im Mund. Nicht immer: Heute Morgen war es Dieter Hundt, alleroberster Präsident aller Arbeitgeber, der sein Denken zu Besten gab.
Das “Wort von Hundt”
Nein, das “Wort zum Tag” war es nicht, aber eine Art Offenbarung wirtschaftlichen Denkens, in etwa, was der “Bürger-Herold” in der Schweiz als “Feuferli und Weggli” (“Fünfer und Brötchen”) bezeichnet. Dieter Hundt, Arbeitgeberpräsident des BDA, in früher Morgenstund öffnet im rbb-Kurzinterview (MP3) seinen Mund:
[...] Deshalb – ööh – werde ich die Kanzlerin nachher auffordern, die Entwürfe des Bundearbeitministers – ööh – für das Entsende- und Mindestarbeitsbedingungsgesetz nicht nur aufzuhalten sondern in den Papierkorb zu werfen [...]
Die “ööh”s stammen nicht vom “Bürger-Herold” sondern aus dem Interview. Unsere Sprache enthält einiges an Symbolik, die einerseits dem Verständnis dienen kann, aber auch einiges über die Denkart des Urhebers verrät. “Dieter Hundt und der Papierkorb” wäre eine gute Schlagzeile.
Immer diese Mantras
Halten wir fest: Teile der Wirtschaft wollen den Mindestlohn nicht, weil sie sich sonst den gewollten Sinkflug der Löhne verbauen. Folglich muss Hundt dies bei jeder Gelegenheit vertreten mit der Mantra-These, Mindestlöhne würden Arbeitsplätze vernichten und Schuld sei die Globalisierung. Man mag sie fast nicht mehr hören.
Mindestlöhne haben bekanntlich den Sinn, ein Minimum an Entlöhnung zu garantieren, das ein halbwegs vernünftiges Leben gestattet. Eine Entlöhnung ist das Gegenstück einer Leistung, die jedoch mit dem Staat nichts zu tun hat. Eine anständige Entlöhnung ist die Bringschuld der Unternehmen, die dafür die Leistung erhalten.
| Märchenstunde |
|---|
| Stunden später berichtet ARD Tagesschau über BDI-Präsident Jürgen Thumann, der erklärte: |
| [...] Manager und Unternehmer trügen besondere Verantwortung für die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft. “Wir sind Vorbilder.” [...] |
| So sehen die Märchenstunden aus. |
Verräterische Symbole
Und jetzt zur Symbolik: Diesbezügliche Gesetze will Dieter Hundt im Papierkorb platzieren (lassen). Damit gibt Hundt preis, was er über Menschen denkt, die mit unwürdigen Löhnen leben müssen. Betroffene Menschen besässen gerade noch den Wert des Papierkorbinhaltes.
Aus diesem Papierkorb bedienen sich dann Teile der Wirtschaft, damit sie noch weniger als wenig entlöhnen müssen, weil der Staat bzw. Steuerzahler den Rest besorgen. Dadurch bestehe bereits, meint Hundt im Interview, faktisch ein Mindestlohn. Der “Leistungsträge” Hundt rechnet vor, wie Löhne entstehen. Das ist im Prinzip die Sinnentleerung wirtschaftlichen Tuns ein.
Wer sind die Leistungsträger?
Wir alle reden von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Diese sprachliche Abmachung wollen wir nicht beseitigen, aber angesichts der vor den Bürgern hochgejubelten Leistungsträgern etwas hinzufügen. Eigentlich sind Arbeitgeber keine Arbeitgeber, denn sie wollen lediglich von ihren Mitarbeitern eine Leistung, die durch Arbeit erbracht werden kann. Also sind sie Auftraggeber.
Andererseits sind die Arbeitnehmer eigentlich Auftragnehmer für eine Leistung, die sie durch Arbeit gegen Entlöhnung erbingen können. Das weist darauf hin, wer die grundlegende Leistung trägt, damit ein Unternehmen floriert. Die wahren Leistungsträger sind also die Mitarbeiter. Tja, und Dieter Hundt redet vom Papierkorb.
[...] die Nation nun bereits seit Jahren in der einen oder anderen Form aufgetischt bekommen (siehe Dieter Hundt am 29.2.2008), versuchen sie zu retten, was sie zu retten glauben. Wäre es eine Religion, müsste man [...]