Christliche Solidarität?
29. Januar 2008 · Von ulp · Rubrik: GesellschaftDass auch christliche Hilfswerke bedeckmantelt je nach Interessenslage fundamentalistische Allianzen eingehen, ist allgemein gesehen nicht unbedingt etwas Neues.
Nichts gewusst?
Wenn es gut geht, dann fällt es nicht so auf. Doch wenn man gut aufpasst, dann gehen irgendwann die Lichter auf. Hochgelobtes steht plötzlich in der Kritik. So scheint es jetzt dem schweizerischen christlichen Hilfswerk Christian Solidarity International zu gehen.
Der Tages-Anzeiger (TA) aus Zürich berichtet gestern darüber, dass sich verschiedene schweizerische Politiker vom Hilfswerk des evangelischen Pfarrers Hansjürg Stückelberger distanzieren wollen. Wenn der TA schreibt, dass namhafte Politiker von seinem fundamentalistischem Vokabular nichts gewusst haben, dann muss man sich schon fragen, mit welchen Wachblick diese Politiker mit irgendwelchen Institutionen liebäugeln. So ganz glaubhaft tönt es nicht. Nun gut, sie merken es langsam und ziehen sich zurück.
Illustres Umfeld
Der TA-Beitrag gibt zumindest ein wenig Einblick ins Umfeld des genannten Hilfswerks, auch über die Spendengelder (4,5 Millionen Franken im Jahre 2006) und seine Mitspieler. “Damit seine Mission gegen die Islamisierung der Schweiz und der Spendenfluss beim CSI nicht gebremst werden”, schreibt der Tages-Anzeiger über Stückelberger,
[...] hat er 2006 als weitere Organisation den Verein «Zukunft CH» gegründet. Dieser Verein ist besser geeignet, um politisch tätig zu sein. CSI und dessen Spendensumme taugten nicht, räumt Stückelberger ein, «um uns für eine Kultur der Freiheit einsetzen zu können». Mit dem Verein «Zukunft CH» solle das gelingen. [...]
Geld ist im Spiel
“Zukunft CH” (siehe Handelsregistereintrag) – das tönt gut. Beim “Bürger-Herold” läuten gleichzeitig die Glocken. Da war doch was: Liestal, “Pro Cultura Helvetica” (siehe Online Reports) usw. Dazu der Tages-Anzeiger gestern:
[...] Dabei fällt ein Basler Unternehmer besonders auf. Im Vorstand gilt der Pharma- und Kosmetikhändler Rudolf Syz aus Liestal nicht nur als engagiertester, sondern auch als zahlungskräftigster Mann. Zwar mag der mehrfache Millionär den Betrag nicht nennen, will aber «schon sehr viel Geld» investiert haben, um das Engagement gegen die Islamisierung der Schweiz auszubauen. [...]
Klar, ohne Geld läuft nichts. Darum sind wir auch nicht so sehr erstaunt, dass der deutsche Erretter vor dem Islam, Udo Ulfkotte, nicht weit sein kann. Im TA-Bericht taucht er ein paar Sätze weiter bereits auf (beim “Bürger-Herold” im Dossier Pax Europa).
Alle sind glücklich
“Ulfkotte lobt Stückelberger, dieser lobt Ulfkotte”, schreibt der TA. Weiter heisst es dann:
[...] Pax-Europa-Gründer Ulfkotte ist glücklich über die Schweizer Hilfe. Er schliesst nicht aus, Pax Europa nach der Fusion mit Zukunft CH umzubenennen: In Deutschland hiesse es Zukunft DE, in Frankreich Zukunft FR. «Mit ihren Mitteln können die Schweizer uns helfen, gegen die Islamisierung Europas zu kämpfen», fasst Ulfkotte zusammen. [...]
In der Tat könnte eine Umtaufe von Ulfkottes Baby “Pax Europa”eine Art Befreiungsschlag sein, nämlich vom Rechtsdrall, der Udo Ulfkotte seit seinem Brüsseler Auftritt anhaftet. Doch seinen antislamischen Fundamentalismus wird er so schnell nicht los. Und es bleibt der schier undurchsichtige und verwobene Dunstkreis, wie ihn das Polit*Blog beschreibt.