Zu wessen Gunsten?

25. Januar 2008 · Von · Rubrik: Wirtschaft

Um Milliarden Euro erleichterte Société Générale: Eine gelogene Wahrheit oder eine wahre Lüge – eine Frage der Perspektive.

Täter ohne Geld

Die Story um die Société Générale, die als zweitgrösste Bank Frankreichs nicht nur 2,1 Mrd. Euro wegen der US-Immobilienkrise abschreibt, sondern jetzt den Verlust von 4,9 Milliarden Euro beklagt, ist mehr als unglaubwürdig.

Die 4,9 Mrd. Euro sind weg, aber dafür gibt es vom mutmasslichen Täter ein Foto, wie die Welt berichtet. Das lässt uns spontan einen ganz andere Gedanken aufkommen. In der Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele, bei denen kurz nach dem Desaster ein Täter präsentiert wird. Für offizielle Erklärungen und das Krisen-Management macht sich das ganz gut, während man die wahren Gründe dem Zeitlauf überlässt.

Unbemerkt?

Man muss sich das vorstellen: Ein Einzelner, nicht einmal eine Top-Figur, erleichtert die Société Générale nicht um ein paar Milliönchen sondern fast unbemerkt um ein paar Milliarden. Der Mann, berichtet die “Welt”,

[...] zweigte die Gelder offenbar nicht für das eigene Konto ab. Er habe „einfach gespielt“, aber „nicht zu seinen Gunsten“, wird ein Gewerkschaftsvertreter nach einem Treffen mit der Bankenführung zitiert. [...]

Na ja, vielleicht hat sich der mutmassliche Täter nur einen Scherz erlaubt, von dem die Bank lange Zeit nichts merkte. Das können wir uns nicht vorstellen. Hingegen können wir uns vorstellen, dass der mutmassliche Geldverschieber nicht zu seinen Gunsten handelte.

Dann aber kämen jede Menge Begünstigte in Frage, denn schliesslich lösen sich die 4,9 Milliarden Euro nicht in Luft auf. Vielleicht Begünstigte, die Interesse an einem forcierten Crash haben oder etwas von der Bank deckeln wollen? Wie man sieht, kann man nicht nur mit Geld spekulieren sondern auch mit den Umständen.

Tags: , ,

Keine Kommentare möglich.