Strukturelle Gewalt
23. Dezember 2007 · Von ulp · Rubrik: Armut, GesellschaftEs ist erschütternd, wenn man permanent aufs Neue erfährt, in welchem schlechten Umfeld ein Teil der Kinder aufwachsen muss.
Lebenslange Diskriminierung
Von 2,5 Millionen Kindern in Deutschland spricht die Statistik, die auf oder unter dem Sozialhilfeniveau leben. 14 Prozent der deutschen Kinder gelten als arm. Es ist zum Heulen. Im AP-Interview sagt der Armutsforscher Christoph Butterwegge:
[...] Armut ist mehr, als wenig Geld zu haben. Sie äußert sich auch in schlechten Bedingungen des Aufwachsens, miserablen Wohnverhältnissen, einer schlechten Gesundheitsvorsorge sowie Benachteiligung im Bildungs- und Freizeitbereich. Die sozial Benachteiligten haben kaum Möglichkeiten, sich aus ihrer Situation zu befreien. Der Skandal besteht darin, dass unsere reiche Gesellschaft wenig dazu beiträgt, sozial Benachteiligte zu stärken und zu fördern. Armut und Benachteiligung verfestigen sich und «vererben» sich deshalb. [...]
Man beachte bitte, dass “vererben” in Anführungszeichen steht. Armut ist also nicht Gen bedingt. Butterwegge bezeichnet die Kinderarmut als strukturelle Gewalt und lebenslange Diskriminierung. Der “Bürger-Herold” kann dem nur zustimmen. Es ist keine Wortspielerei: Wenn Kinderrechte Menschenrechte sind, dann handelt es sich um Menschenrechtsverletzungen – begangen an Kindern.
Wie man aus dem Zitat erkennen kann, gedeiht Kinderarmut in einem Umfeld, aus dem sich a) Kinder selber kaum befreien können und b) und in dem neue Ursachen entstehen, dessen Folgen der Staat vehement bekämpft: Kriminalität, Drogen, Krankheiten, Gewalt. Aus Opfern der Kinderarmut können sich später Täter entwickeln. Und jetzt?