Schreibk(r)ampf
30. November 2007 · Von ulp · Rubrik: Medien, Schreiber-SchlachtDie Journalismus- und Blog-Schreiberei liegen vielleicht näher beieinander als wir meinen.
Lieber keine Kulturschlacht
Medienlese schreibt heute von “Zwei Kulturen” und meint einerseits die Journalisten und andererseits die Schreiber in der weiten Blogospähre:
[...] Journalisten sind zumeist anonyme Schreiberlinge, die ohne Namensangabe in einem bürokratischen Kauderwelsch, das sie ‘objektivitäts- und faktenorientierte Schreibweise’ nennen, [...]
und
[...] Bis das Mausrad qualmt, könnte ich jetzt fortfahren mit dem Nachweis, dass die netteren, besseren, individuelleren, lohnenderen, lustigeren Schreiber allesamt in der Blogosphäre zu finden sind. [...]
Zwei Gegensätze, die zum Schreibkulturkampf geeignet sind.
Krass, krass!
So weit wie “Medienlese” will der “Bürger-Herold” nicht gehen, denn die beiden Kulturen liegen unseres Erachtens näher beieinander als man meint. Ansonsten laufen wir Gefahr, eine gegenseitige Kulturschlacht zu schlagen, obwohl sich beide Seiten der selben Kultur bedienen, nämlich der Kultur des Schreibens. Und die kann man bis ins Höchste pflegen oder dem Müll zuführen.
Ein Glück wird, z. B. im Journalismus, überhaupt noch geschrieben, und ein Glück wird, wie die Blogszene zeigt, wieder geschrieben. Über Stil und Formen lässt sich vortrefflich streiten, führt jedoch meistens ins Nirwana. Zwei Fragen bleiben übrig. Was ist spannender: Die stilistisch perfekte Form mit nachgeplappertem, gemietetem oder vorgeschriebenem Inhalt? Oder ist es die unperfekte Schreibform, die das Leben erkennt und trifft so wie es ist?