Verhinderung ist kein Fortschritt

25. November 2007 · Von ulp · Rubrik: Medien

Die Print-Verleger haben nichts anderes zu tun als sich gegen die Ausweitung anderer Medien mit Händen und Füssen zu wehren.

Eigene Online-Inhalte

An unseren Beitrag Qualität auf Abwegen lässt sich ganz gut der Beitrag von Ronnie Grob in Medienlese anschliessen. Darin plädiert Grob dafür, dass die Schweizer Verlage auch online Journalismus liefern sollten, statt Google Paroli zu bieten. Weiter schreibt er:

[...] Warum investiert man nicht in ein Online-Portal, das auch eigene Inhalte produziert? Während in Deutschland alle Online-Sites so gross und wichtig wie «Spiegel online» werden möchten, hat die Schweiz noch nicht einmal eine klare Nummer 1. Gewinnen wird, wer zuerst und richtig auf die Inhalte im Internet setzt. [...]

Zunächst etwas zu den “Google News”. Ihre schweizerischen Variante ist im Gegenteil zur deutschen in unseren Augen eher schwach auf der Brust. Doch die “Google News” allgemein betrachtet sind für uns zwar brauchbar, jedoch längst nicht optimal. Da kommt es schon vor, dass sich Minuten alte Meldungen mit solchen vermischen, die ein paar Tage alt sind. Vor allen Dingen können wir nicht bestätigen, was mit unserem Leseverhalten zusammenhängt, dass wir nicht bei der Publikation landen, von der die Google-Anrisse stammen. Das hat einzig und allein mit unserer Interessenslage zu tun.

Manches ist verbesserungswürdig

Der “Bürger-Herold” kann Grob durchaus zustimmen, die Schweiz habe im Online-Bereich nicht einmal eine Nummer 1. Allerdings sehen wir die Situation, obwohl Vieles noch verbesserungswürdig ist, nicht ganz so skeptisch. Viele Tageszeitungen sind auf der Online-Schiene tätig, was unserem allgemeinen Informationsbedürfnis entgegenkommt. Ob es sich dabei vielfach um eine Zweitverwertung der Print-Ausgabe handelt stört uns nicht in erster Linie.

Was guter Journalismus, so genannter Qualitätsjournalismus ist, müssen wir auf einer anderen Ebene diskutieren, denn schliesslich gilt Qualität sowohl für Print- als auch Online-Medien. Dies gilt auch für die Inhalte: Man kann sie auf beiden Schienen transportieren. Dem “Bürger-Herold” geht es um die journalistische Formen.

Wo sind die guten journalistischen Formen?

Beispielsweise kann eine gute Reportage, die im Printbereich auf eine bestimmte Zeilenzahl begrenzt ist, im Online-Bereich eine weserntliche Bereicherung sein: z. B. durch die Kombination von Text, Ton und bewegten Bildern. Oder man denke beispielsweise an Features, eine Form, die vom Radiojournalismus stammt.

Als Kritiker wird man jetzt einwenden, dass dafür das Fernsehen oder das Radio optimal wären. Das stimmt auf der einen Seite. Doch andererseits muss man sehen, dass Online eben alles möglich ist. Gerad das ist es, was ein Online-Medium interessant macht. Man schaue sich getrost BBC oder andere Fernsehsender (z. B. im Bildungsbereich) an: Sie entdecken mehr und mehr das Internet. Und die Print-Verleger haben nichts anderes zu tun als sich gegen die Ausweitung anderer Medien mit Händen und Füssen zu wehren.

Gut, die schweizerischen Verleger wollen innovativ sein. Dann ist der “Bürger-Herold” sehr gespannt, was aus dem vollmundig angekündigten Online-Nachrichtenportal wird. Eine Art Google-Abklatsch auf schweizerische Bedürfnisse zugeschnitten? Eine gemeinsame Online-Zeitung der Print-Medien? Wir wissen es nicht und warten ab, ob ihnen ein grosser Wurf gelingt. Eines ist sicher: Der Fortschritt kann nie darin liegen, andere zu verhindern.

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