Qualität auf Abwegen

24. November 2007 · Von · Rubrik: Medien

Wenn man sich durch die Kolumne von Karl Lüönd durchliest, dann ist es in vielen Fällen eine Alibiübung von Verlagen und Journalisten, vom Qualitätsjournalismus zu reden.

Viele Klagelieder

Dass Verlage in der Klemme sind, erfährt man spätestens dann, wenn sie ihre Klagelieder singen. “Zufälligerweise” ist ihnen das Internet in Quere gekommen. Auch viele Journalisten klagen, weil ihnen ebenso “zufälligerweise” das Internet über den Weg gelaufen ist. Dazwischen, mal als Polemik gegen nichtjournalistische Schreiber gedacht, mal als Selbstverteidigung, beschwören sie den Qualitätsjournalismus. Ja, und “zufälligerweise” kommen vielen Medien die Inserenten und Leser abhanden.

Gewiss, wir überspitzen ein wenig, aber so ungefähr erleben wir im Moment das Verlagswesen. Möglicherwesie betrachten wir die Branche mit einer falschen Optik.

Beklagte Branche

Heute stossen wir in der Werbewoche auf eine Kolumne von Karl Lüönd, freier Publizist und Buchautor. Lüönd geht Verleger und Journalisten hart an:

[...] Verleger und vor allem Journalisten würden erschrecken, wenn sie einmal zuhören könnten, wie über sie, über ihre Kompetenz und ihre Reputation in den Chefetagen geurteilt wird. In der Regel werden die Probleme dann an die ständig wachsende Gilde der Pressesprecher, der Spindoctors und Fassadenreiniger delegiert. [...]

Als wir vor vielen Jahren noch in der Verlagsbranche tätig waren, haben wir zusätzlich noch von Klinkenputzern gesprochen. Jedoch sollte man die Kolumne nicht mit Häme oder Schadensfreude lesen. Lüönd beklagt die Branche, aber nicht mit der Speerspitze auf den bösen äusseren Feind gerichtet, sondern auf jene, die im Prinzip die Todsünden begehen.

Chancen umsetzen

Wenn man sich durch die Kolumne durchliest, dann handelt es sich in vielen Fällen um Alibiübungen von Verlagen und Journalisten, wennn sie so viel vom Qualitätsjournalismusreden. Sie reden über Qualitätsjournalismus, den sie hatten oder gerne hätten, und übersehen dabei, dass sie ihn selber zugrunde gerichtet haben. Sehr optimistisch schliesst Lüönd seine Kolumne nicht:

[...] Die Branche ist auf dem besten Weg, ihr eigenes Saatgut zu verspeisen. En Guete! [...]

(Anm. d. Red.: En Guete = Guten Appetit). Allerdings befürchten wir aus heutiger Sicht, dass nicht einmal mehr genug Saatgut zum Verspeisen zur Verfügung steht. Hat die Branche keine Chancen mehr? Das können wir nicht bejahen, aber die Chancen alleine sind noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Sie, die Verleger und Journalisten, müssen die Chancen schon in die Hand nehmen und sie umsetzen. Hinweise dazu hat Karl Lüönd ja gegeben.

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Ein Kommentar
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  1. [...] unseren Beitrag Qualität auf Abwegen lässt sich ganz gut der Beitrag von Ronnie Grob in Medienlese anschliessen. Darin [...]