Glasbläser im Netz

23. November 2007 · Von · Rubrik: Medien

Lösen Hypes, z. B. um “Social Networks”, wirklich so viel Blindheit aus, um Fragen zu stellen, wenn es zu spät ist?

Skepsis ist angebracht

Der “Bürger-Herold” ist absolut kein Freund von so genannten “Social Networks”. Einerseits hat uns bis heute niemand deren Vorzüge plausibel erklären können, was im echten Leben – auch mit Internet ohne “Soziale Netzwerke” – nicht möglich wäre. Andereseits sehen wir nicht ein, warum man sich in einem solchen Netzwerk abschotten soll.

BeuteBild: Einmal im Netz gelandet kann man schnell zur Beute der Hungrigen werden (© ulp)

Ein dritter Punkt, der uns skeptisch macht, besteht darin, dass mit jedem “Social Network” eine Riesendatensammlung entsteht, die nicht der Freude der dort Teilnehmenden dient. Es gibt genug Datensammler – nicht nur staatliche -, die sich auf die Daten nur so stürzen. Sie, die Glasbläser des Datenmarktes, brauchen Profile um jeden Preis, sei es um gezielt Werbung und Marketing zu betreiben, mit Daten zu handeln oder dem staatlichen Überwachungswahn Futter zu liefern.

Identitätsdiebe am Werk

Heute lesen wir im Independent einen Beitrag über Identitätsdiebe. Zwar hat der Beitrag mehr die junge Generation im Auge, die mit grosser Sorglosigkeit ihre persönlichen Spuren in diesen Netzwerken hinterlassen. Allerdings meinen wir, dass dies nicht nur die junge Generation betrifft. Der Beitrag zeichnet unter anderem die Risiken der drei Grossen der Branche (“Facebook”, “MySpace” und “Bebo”) nach.

Dazu passt der heutige Spiegel-Beitrag ganz gut zum Thema, der aufzeigt, wie dem Hype die nackte Erkenntnis folgt:

[...] Die Frage, die sich nun aber zahlreiche User stellen, ist: Wie weit darf eigentlich eine erfolgreiche Web-Seite in meine Privatsphäre dringen, was darf sie mit all meinen teils sehr persönlichen Informationen anstellen? [...]

Eine Frage, scheint uns, die viel zu spät gestellt wird. Lösen die Hypes wirklich so viel Blindheit aus, um die Frage zu stellen, wenn es zu spät ist? Es ist allerdings festzuhalten, dass die Identitätsdiebe nicht nur in “Social Networks” jagen. Das gesamte Internet bietet fette Beuten an, wie aus diesem Zeit-Beitrag ersichtlich ist. Übrigens ist die Profilierung von Menschen aufgrund ihrer Daten keine Erfindung des Internet, wird sie doch bei Print-Medien – Stichwort Adressenhandel – seit vielen Jahren praktiziert.

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