Karussell dreht sich
1. Oktober 2007 · Von ulp · Rubrik: WeltkonflikteDer Krieg als Geschäft – Freiheit und Demokratie sind nebensächlich, nicht einmal relevant.
Saison für das Kriegsdienstleistungsgewerbe
Duckhome schreibt heute in seinem Beitrag “Freiheit und Demokratie für den Irak” über die Machenschaften von Blackwater:
[...] Buffalo Bill ist nicht tot, aber wenn er doch tot ist, hat er zumindest viele Nachkommen. So wie Buffalo Bill und andere seiner Zeit, die Indianer dadurch erledigen wollten, das sie die Bisons ausrotteten, ist heute die Firma Blackwater in Sachen Befreiung und Demokratisierung des Iraks unterwegs. [...]
Der Vergleich ist durchaus angebracht. Er zeigt zweierlei. Erstens handelt es sich generell um die Fratze des Krieges, der nicht erst mit der offiziellen Eröffnung des Irak-Krieges im März 2003 begann, auch nicht mit dem 11. September 2001. Zweitens zeigt der Einsatz der Privatwirtschaft – in diesem Falle Blackwater -, wie sich im Kriegsdienstleistungsgewerbe Geld verdienen lässt.
Der Krieg als Geschäft – Freiheit und Demokratie sind nebensächlich, nicht einmal relevant. Zwar erzählen uns unsere Politiker alles Erdenkliche über Freiheit und Demokratie, damit etwas gesagt worden ist. Doch in Wahrheit sind viele mit den amerikanischen Gelüsten einverstanden. Öl kann man nicht essen, aber gut davon leben.
Karussell dreht sich weiter
Unterdessen dreht sich das Karussell weiter, deren Auswirkungen noch nicht so ganz Ernst genommen werden. Welcher Plan, Komplott, welcher Kriegsstreich steht im Wartezimmer? Spekulationen, ob es demnächst einen Krieg gegen den Iran geben könnte, liegen schon lange auf dem Tisch. Es sind nicht wenige US-Stimmungsmacher, die einen Schlag gegen den Iran fordern.
Kommt es zur Wiederholung eines Iran-Desasters? Alles ist denkbar, zumals wir es mit amerikanischen Hardlinern zu tun haben, die im Prinzip die Welt ausserhalb der USA nur ungenügend oder überhaupt nicht begreifen. Derzeit kommt Seymour M. Hersh vom “The New Yorker” wieder aus der Stille heraus und berichtet in Shiftig Targets (sehr langer Beitrag) über seine neusten Erkenntnisse:
[...] In a series of public statements in recent months, President Bush and members of his Administration have redefined the war in Iraq, to an increasing degree, as a strategic battle between the United States and Iran. [...]
Amerikas strategische Schlacht
Es geht also um eine Änderung der Ziele, um eine Neudefinition eines Krieges gegen den Iran, die darauf hinauslaufen, ihn als eine strategische Schlacht zwischen den USA und Iran emporzuheben. Dazu eine Bemerkung: Iran gehört zu den bedeutendsten Erdölförderländern, und Erdöl ist für die USA lebenswichtig. Wenn also von einer strategischen Schlacht die Rede ist, so hat das mit Freiheit und Demokratie genau so wenig zu tun wie der Irak-Krieg.
Die USA mach sich auf die Suche nach Gründen, warum ein solcher Krieg nötig ist. Diesem Thema geht Telepolis aufgrund des Hersh-Beitrags nach:
[...] Während bislang versucht wurde, Widerstandsgruppen im Iran zu stärken (
) und Pläne auszuarbeiten, wie man die Atomanlagen und militärische Stützpunkte mit Einsätzen der Flugwaffen zerstören kann ( “Das ist ein Teil unserer Kultur” ), habe US-Präsident Bush nun das Pentagon beauftragt, Pläne für “chirurgische Angriffe” gegen die Revolutionäre Garde auszuarbeiten, die man auch als terroristische Vereinigung erklären will ( Kriegspläne gegen Iran ). Diese macht man vornehmlich für die Probleme im Irak verantwortlich, insgesamt wird Teheran beschuldigt, hinter den Angriffen im Irak auf US-Soldaten zu stehen. [...] Iranischer Staatsterror?
Unberechenbarer George W. Bush
Ob es tatsächlich zu einem Krieg gegen den Iran kommen wird, kann niemand voraussagen. Aber wir müssen wissen, dass ein amerikanischer Präsident im Kriegsfall der oberste Befehlshaber ist. George W. Bush gehört jedenfalls in die Gruppe unberechenbarer Weltpolitiker, die sogar einen Krieg wagen würden, um die eigene politische Haut zu retten.
Helfer wird Bush vermutlich wieder finden. Eventuell sogar einen deutschen Politiker, der die “Verteidigung am Hindukusch” (Peter Struck, SPD) kurzerhand durch “Verteidigung im Zagros“ ersetzt. Natürlich werden sie sich dann auf Uno-Mandate berufen wollen – darum strebt Angela Merkel möglicherweise nach einem Sitz im Uno-Sicherheitsrat.
USA und Afrika
Ob eine andere Runde bevorsteht, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls sind die USA bereits bei Africom (offizielle Darstellung, siehe auch bei Wikipedia auf Englisch oder in kürzerer Fassung auf Deutsch) angelangt. Das tönt so bieder wie eine Telekommunikationsgesellschaft, es handelt sich jedoch um eine US-amerikanische, militärische Kommandostruktur – die sechste, noch fehlende Kommandostruktur für Afrika.
Die Welt als militärischer Sandkasten. “Africom” kommt mit Sicherheit nicht zufällig daher und ist daher als Folge amerikanischer Schwierigkeiten zu betrachten. Bereits vor fünf Jahren schrieb der Christian Science Monitor darüber, warum sich die Amerikaner in Afrika tummeln. Die deutsche Bundeswehr ist bekanntlich auch im Rahmen von Operation Enduring Freedom dabei. Vermutlich ist die Befreiung des Öls gemeint.