Überflüssig? Sinnlos?

30. September 2007 · Von · Rubrik: Burma, Weltkonflikte

Die “Free Burma”-Aktion ist für niemanden verpflichtend. Blogger nehmen daran teil, oder lassen es bleiben. Trotzdem ein paar Gedanken.

Geteilte Meinungen

Schade, wie plötzlich aus der Free Burma-Aktion bei Kausch & Friends mehrheitlich ein Stimmungslager initiiert wird, das die Aktion überflüssig, sinnlos oder wirkungslos erscheinen lässt. Löblich jedenfalls, wenn die Schreiberin im selben Blog Solidarität mit den Beschäftigten eines Fahrradherstellers übt.

Andererseits hadert die Schreiberin mit der Solidarität zur Burma-Aktion, zu dem Land, das in diesen Tagen von militärischer Gewalt geschüttelt wird. Dazu schreibt sie:

[...] Nun gibt es Aufrufe, Blogs rot zu färben (mein Blog-Design ist schon seit langem rot!), und es gibt einen neuen Aufruf, am 4. Oktober nicht zu bloggen, sondern stattdessen aus Solidarität mit der Burmesischen Bevölkerung ein Banner zu schalten. [...]

Klar, man kann geteilter Meinung sein, aber Rot ist auch nicht Rot. Immerhin ist die Aktion für niemanden verpflichtend. Blogger nehmen daran teil, oder lassen es bleiben. Wer allerdings die Welt ein bisschen mehr kennt, sieht das unter Umständen anders.

Was ist besser?

Weiter schreibt die Autorin:

[...] Ich hätte es für besser gefunden, wenn es eine Kampagne geben würde, die sich zwar an der aktuellen Situation in Burma aufhängt, aber über die anderen Länder, in denen ähnliches geschieht, ebenfalls berichtet wird. [...]

Logisch, man kann alles besser finden. Die Betroffenen stellen jedenfalls nicht die Frage, was wir besser finden. Doch halten wir fest: Die Burmesen befinden sich momentan in einer akut gefährlichen Situation, von der niemand weiss, wie die Unterdrückung ausgeht. Daher ist es unseres Erachtens recht plausibel, in diesem Falle punktuell vorzugehen.

Andererseits ist es nicht so, dass über andere Länder, in denen Unrecht herrscht, nicht kritisch berichtet wird. In den üblichen Medien verfliegen die Themen sehr schnell, so dass man manchmal den Eindruck gewinnt, als sei nichts geschehen. Es gibt jedoch genug Engagierte, auch unter den Blog-Schreibern, die jenseits der Medien beharrlich am Ball bleiben.

Was bringt eine Kampagne?

Die Schreiberin hat in einer ihrer Kommentarantworten geschrieben,:

[...] Was bringt eine Kampagne? Soll ich ein Button entwerfen, es jedem auf die Brust heften und dann hoffen, dass damit sich die Ansicht bzw. Auffassung ändert? [...]

Nein, am Button, der nach Protest und vielleicht noch schick aussieht, liegt es nicht. Doch auf eine übergeordnete Kampagne zu warten, die Burma und die ganze Welt umfasst, ist eine Illusion. Entweder warten wir bis Ultimo, oder wir schreiben dann, wenn es gerade auf dem Tisch ist. Dies ist ein freier Entscheid.

Burma als Aufhänger

Über Burma oder andere Konfliktherde zu schreiben ist keineswegs leicht. Es ist geradezu eine Knochenarbeit, Antworten auf die Frage zu finden, warum solche Unrechtssysteme existieren und wer daraus den Nutzen zieht. Und nicht selten sind so genannte Rechtssysteme mit von der Partie, die aus Unrechtssystemen ihren Nutzen ziehen.

Über den ganz oben verlinkten Beitrag sind wir offen gestanden etwas erschrocken. Der Beitrag benützt Burma als Aufhänger und erfindet Dutzende Gründe, wie auch die zahlreichen Kommentare zeigen, dass das mit der Birma-Aktion nichts ist. Sehr hilfreich ist das nicht. Aber wir haben ja die persönliche Freiheit, Gründe zu finden, warum solche Aktionen doch einen Sinn haben.

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9 Kommentare
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  1. Die Burma-Aktion ist …. (Bem. d. Red.: der Rest von der Redaktion gestrichen)

  2. Herr t. k., wir werden Ihren Kommentar nicht veröffentlichen, denn wir erachten es als unredlich, das Unrecht in Burma mit deutschen nationalen Aktivisten, d. h. rechten Nationalisten, in Verbindung zu bringen.

  3. Bei mir war er auch…. und nun ist er weg.

    Bürger, wage doch mal einen Blick über den Tellerrand hinaus, vergiss mal eben das Regime und schau dir alles “drumherum” an. Es bringt nichts, wenn man sich an einem Beispiel festbeißt. Dahinter steckt ein profanes wirtschaftliches Prinzip, das schon früher galt und leider heute in unserer ach so weh aufgeklärten Zeit immer noch seine Wirkung nicht verhehlt. Hast du meinen Artikel zu “Sudan” gelesen? Lege den Inhalt dieses Artikels mal auf die aktuelle Burma-Lage, dann wirst du es erkennen.

    Nicht die Junta sind es allein, sondern auch du und ich! So schmerzhaft es auch für uns alle zu verstehen und begreifen sein mag! Beseitigen wir das Regime, dann wird sich kaum etwas ändern, denn die Drahtzieher sind immer noch am Werk.

  4. Vielen Dank für die geteilte Meinung. In diesem Fall muss wirklich die Frage gestellt werden, wo die bewegende Aktion aufhört und der blödsinn anfängt.

    Was in Burma passiert ist schlimm. Aber es gibt weltweit in 37 weiteren Kriegen 35’000’000 Flüchtlinge anderer Länder, zig Tausende Tote anderer Diktaturen. Täglich sterben 30’000 Kinder an Hunger, weil das Geld für den Krieg drauf geht.
    Auch differenziert betrachtet: hier lesen, wenn DU magst.

    Goggigrüsse

  5. Ich glaube du hast Martina falsch verstanden. Sie wendet sich gegen einen Aktionismus der leider immer mehr überhand nimmt.

    Wir reagieren sehr stark auf Vorfälle wie in Burma, obwohl sie normalerweise außerhalb unseres Focus liegen. Ich habe zum Beispiele noch nie vor dieser Auseinandersetzung über Burma geschrieben. Wie ehrlich ist es wenn ich jetzt auf den Zug aufspringe, wohl wissend das da nichts zu machen ist?

    Wir müssen an die Ursachen ran.

  6. @Martina

    Danke für die Aufklärung, aber Du tust gerade so, als wenn wir nicht wüssten, wie der Hase läuft. Er läuft meistens nach dem selben Schema herum – in Varianten. Die Bereicherung auf der einen Seite führt schnell zur Unterdrückung und Verarmung der anderen Seite. Hinzu gesellt sich noch von Fall zu Fall Grossmannssucht, nicht selten gepaart mit Sendungsbewusstsein von religiösen Ereiferern. Und die Masse muss dabei ungebildet gehalten werden, weil das stören könnte.

    Du machst aus Burma lediglich ein Beispiel, was ein wenig nach Relativierung tönt. Auch Sudan ist ein Beispiel, der Balkan ist eines, der Irak, der Iran wird das nächste Beispiel sein,ganz Südamerika ist ein Beispiel, sämtliche Konfliktherde sind Beispiele. Alles lässt sich mehr oder weniger aufeinander umlegen. Ja, wollen wir wirklich alles als Beispiel bezeichnen, obwohl dahinter eine knallharte Strategie steckt.

    Diese Strategien funktionieren innerhalb eines Staatengebildes (Staatsmacht – Volk) ebenso wie im globalen Massstab (Grossmacht – Staaten). Weltführer und Staatsführer, Weltordnung – Staatsordnung, alles liegt von der Methodik aus gesehen sehr nahe beieinander. Beschäftige Dich mal mit Wirtschaftgeografie – global und regional – und lege darüber die Konfliktherde.

    Viele Beispiele, wie oben ansatzweise aufgeführt, liegen von unseren Breitengraden aus gesehen mehr oder weniger weit weg. Beruhigend ist das nicht, weil die Mechanismen auch in unseren Breitengraden erkennbar sind. Ein deutscher Industrievertreter sagte vor einiger Zeit, die Bundesrepublik müsse dafür sorgen, die Ressourcen vor Ort zu sichern. Struck ist immer noch dabei, obwohl er kein Minister mehr ist, die Republik am Hindukusch zu verteidigen. Ja, und wenn wir uns Schäuble & Co. anschauen, so steckt mehr dahinter als nur ein Überwachungs- und Abschiesswahn. Die Drähte der Drahtzieher sind verdammt lang.

    “Nicht die Junta sind es allein, sondern auch du und ich!”, schreibst Du. Vielleicht kannst Du das zur Präzisierung erklären, damit wir nicht an der Oberfläche bleiben.

  7. Lieber Jochen, ich glaube nicht, dass ich Martina falsch verstanden habe. Na ja, das mit dem Aktionismus ist so eine Ermessensfrage. Allerdings sollte man es nicht als Ausrede benützen, um nichts zu sagen.

    Ich gehe davon aus, dass es den Meisten so ergangen ist, dass sie vorher nie über Burma geschrieben haben – mich eingeschlossen. Es gibt so viele Dinge, über die ich noch nie geschrieben habe, obwohl es sich um schreiende Probleme handelt – z. B. Guatemala, Kolumbien. Wer hat die Kapazität, über alles intensiv zu schreiben. Ich schaffe das nicht. Und über etwas zu schreiben, damit etwas geschrieben worden ist, ist nicht das Gelbe vom Ei.

    Natürlich hast Du Recht, wir müssen an die Ursachen ran. Doch in dieser Beziehung stehen wir alle vor dem selben Dilemma. Wo fangen wir an?

  8. @Goggi

    Deine Frage, wo die bewegende Aktion aufhört und der Blödsinn beginnt, ist berechtigt. Kann sein, dass es im Moment trendy ist, etwas über Burma zu schreiben. Es könnte, wenn ich so die Diskussion verfolge, aber auch trendy sein, die Aktion als überflüssig zu betrachten. Gewissermassen der Trend im Trend.

    Ich habe keinen besonderen Grund, die Aktion zu verteidigen. Eine Teilnahme ist jedem selber überlassen. Ebenso ob jemand über Burma schreibt oder nicht. Wir als Schreiber haben die Wahl. Mag sein, dass Kritiker die Aktion als fadenscheing betrachten. Dann müssen es sich die Kritiker auch gefallen lassen, ob ihr Trend, nämlich gegen diese Aktion zu sprechen, eben auch fadenscheinig ist.

  9. [...] Klar, man könnte sagen, es handelt sich um eine Aktion von vielen möglichen Aktionen. Manche sagen sogar, die Aktion wäre lediglich ein abzulehnender Aktionismus, der nichts bewirkt. Gegner suchen Gründe, warum das mit einer solchen Aktion nichts ist (siehe Überflüssig? Sinnlos?). [...]