Swiss made – SVP
11. September 2007 · Von ulp · Rubrik: Politik, SVP & Co.Propagandafilme kennen keine Moral, denn sie dienen zwei Zielen: aus Schein eine Wirklichkeit zu konstruieren und daraus einen Machtanspruch abzuleiten.
Gut und Schlecht
Propagandafilme sind der Schein der eigenen Sache (“Hurra, wir sind gut”) und der Schein, was man über seine ausgesuchten Gegner denkt (“Huh, die anderen sind schlecht”).
Die Schweizerische Volkspartei (SVP) beherrscht, wie zurzeit im Wahlkampf, das Metier der Propagandafilme. Sonderlich gut sind sie nicht, aber dafür um so indoktrinärer in der Hoffnung, der Betrachter des Propagandafilms glaubt es, auch wenn es nicht stimmt.
Die SVP-Propagandafilme sind mehr oder weniger transparent, nach einem simplen Schema konstruiert. Die Grundaussagen lauten: Die Ausländer sind an allem Schuld (die klassische Entschuldigung für eigenes Versagen) und Rot oder Grün sind an allem Schuld (der Klassiker des politischen Feindbildes).
Bild: Himmel und Hölle preisende Heilsbotschaft der SVP-Propaganda – aus dem Netz nicht verschwunden (Quelle: Screenshots von der Website von Bart Debie)
Hau auf den Gegner
Der “Bürger-Herold” will nochmals auf den SVP-Propagandafilm zurückkommen, der inzwischen per richterlichem Beschluss vom SVP-Netz genommen worden ist. Allerdings ist der Film nur deswegen vom Netz genommen worden, weil sich die Gewaltszenen darstellenden Jugendlichen missbraucht fühlen.
Politisch impliziert der Film noch eine andere Dimension: Gewalt, Drogen, Ausländerprobleme usw. seien nur wegen Rot und Grün vorhanden. Dewegen sollte man die Roten oder Grünen (die Bösen) ja nicht wählen, dafür aber die Urheber des Propagandafilmes (die Guten). Eine weitere gefährliche Dimension liegt noch woanders.
Andere Geister warten darauf
Die Perfidität solcher Propagandafilme weckt noch andere Geister. Das sind die Geister, die noch rechtser positioniert sind als eine SVP. Dieser Rand bis hin zum Extremrand bekommt echte Vorlagen, die zu Erstarkung führen. Ein kleines Beispiel: Die SVP, wie bei der Jungen SVP nachzulesen ist, wollen am liebsten die Anti-Rassismus-Strafnormen wieder abschaffen, zu denen die Leugnung von Völkermorden und der Tatbestand des Rassismus gehören (siehe auch Besuch von Christoph Blocher in der Türkei).
Der beanstandete Propagandafilm ist nur bei der SVP vom Netz, kursiert jedoch bereits bei “YouTube”, ist also noch im Netz. Nicht ohne Wirkung. In der Zwischenzeit stürzt sich bei “Vlaams Belang” (belgisch, rechts-national bis -extrem) der Saubermann Bart Debie auf den Schweizer SVP-Propagandafilm: “Kan er iemand mij uitleggen wat er mis is met deze film?”, fragt Debie (Quelle: Website von Bart Debie). Die Frage hat der “Bürger-Herold” beantwortet.
Nun das ist doch die bewährte Methode. Der eine nimmt was vom Netz, der andere bringt es an anderer Stelle neu.
Eine Hand wäscht die andere. Das kennen wir in Deutschland ja schon.
Natürlich ist das alles zufällig. Bart Debie ist nicht etwa Teil von Blochers Kampagnen und auch Ulfkotte spielt da nicht mit. Das werden sie immer leugnen, aber die Fakten, die Fakten, die bleiben irgendwie ungerührt stehen.
Aber ja, das ist doch das Schöne an den Zufällen, weil bei ihnen immer etwa zu fällt.